GEHE-Mitarbeiter öffnet Medikamentenschrank
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Keep cool!

Von den ca. 130.000 in Deutschland gelisteten Arzneimitteln müssen 4.700, also etwa 3,6 Prozent bei zwei bis acht Grad Celsius gelagert werden. Dieser prozentuale Anteil ist in ganz Europa ähnlich. Die Transportbedingungen müssen in diesen Fällen auch den Lagerbedingungen entsprechen. Das heißt vom Kühlraum bis zum Eintreffen in der Apotheke. Denn Arzneimittel reagieren oft empfindlich auf Temperaturschwankungen.

Die Lebensdauer entsprechender Medikamente kann sich erheblich verkürzen, wenn eine bestimmte Lagertemperatur auch nur kurzzeitig unter- oder -überschritten wird. Im schlimmsten Fall geht die Wirksamkeit des Arzneimittels verloren, was besonders dramatisch ist, wenn sie bei lebensbedrohlichen Erkrankungen eingesetzt werden, was bei Kühlarzneimitteln häufig der Fall ist.

Die hohen Anforderungen an organisatorische Abläufe und Sicherheit und deren Einhaltung im gesamten Celesio-Konzern gewährleisten die einwandfreie Qualität von Lieferungen innerhalb unserer Kühllogistik. Die lange Reise eines Medikamentes vom Hersteller bis zum Patienten wollen wir exemplarisch für Deutschland aufzeigen.

Konrad Betzler, Head of Quality Governance Group Operations, sagt: "Moderne biologische Arzneimittel helfen heute Krankheiten zu therapieren, die noch vor wenigen Jahrzehnten ein sicheres Todesurteil waren. Sie sind aber temperaturempfindlich und Schäden durch Wärme oder Kälte kann man oft nicht sehen."

Von der Anlieferung…

Die Reise beginnt beim Hersteller des Medikaments. Hier wird das kühlpflichtige Arzneimittel in Kühlboxen oder in Kühlfahrzeuge mit Temperaturen zwischen zwei und acht Grad Celsius verladen und bei einer der 19 Großhandelsniederlassungen der GEHE angeliefert. Um sicherzustellen, dass die Kühlkette nicht unterbrochen wird, sind eine schnelle Warenannahme und Einlagerung unerlässlich.

Geprüft wird von uns dabei insbesondere die Transporttemperatur, sei es durch das Auslesen des Temperaturschreibers in den Kühlfahrzeugen oder durch die in den Kühlboxen mitgelieferten Datenlogger. Sollte eine Abweichung der Temperaturspannbreite festgestellt werden, wird die Ware sofort aus dem Verkehr genommen.

Die Apotheker und Patienten können sich auch blind auf uns verlassen: wir sorgen für die Qualität.

Konrad Betzler, Head of Quality Governance Group Operations

… über die Einlagerung

Ist alles im grünen Bereich, wird das Medikament in Kühlzellen gelagert. Um eine schnelle Einlagerung und dann später eine ebenso schnelle Entnahme sicherzustellen, müssen die Kühlläger optimal in den Warenfluss integriert sein.  Oft verwenden wir einzeln zu öffnende Schubladen und    übersichtliche Glasfronten, wie man es auch aus Supermärkten kennt. Dies ermöglicht eine gezielte und schnellere Entnahme der Waren und minimiert dadurch den Kälteverlust.

Als technische Grundanforderung muss ein Kühllager zwei unabhängige Kühlaggregate aufweisen,  um auch bei Ausfall eines Aggregates eine ausreichende Kühlleistung sicherstellen zu können. Seine Qualifizierung für konstante und gleichmäßige Temperaturen zwischen zwei und acht Grad Celsius im Lagerbereich muss außerdem durch regelmäßige unabhängige Messungen nachweisbar sein.

Die Anbindung an ein Notstromaggregat, dessen Funktionsfähigkeit regelmäßig, in der Regel monatlich, überprüft wird, ist ebenfalls verpflichtend, genau wie eine Rund-um-die Uhr-Temperaturmessung. Mögliche Temperaturabweichungen führen zu Alarmweiterleitungen mit Notdienstplänen. Im Falle von diesen und anderen technischen Störungen gibt es Notfallpläne, um auch nachts oder am Wochenende das Lager evakuieren zu können -  entweder in weitere Lagerräume oder in Kühlfahrzeuge.

… bis hin zum Versand:

Wird das Medikament nun von einem Apotheker bestellt, gehen die „Reisevorbereitungen“ los: Nach der Entnahme aus dem Kühllager wird es direkt in einer Thermo-Transport-Box platziert. Das ist eine Mehrwegbox mit Neopor® Innenverkleidung. Dieses Hightechmaterial hat einen um bis zu 20 Prozent höheren Dämmwert als normales Polystyrol.

Anschließend werden noch gefrorene Kühlpacks dazu gegeben. Wie viele beigelegt werden ist abhängig von den Außentemperaturen. Vor allem in den jahreszeitlichen Übergangsperioden kann die Anzahl selbst innerhalb eines einzelnen Tages durchaus variieren. Um die jeweils richtige Menge an Kühlelementen beizupacken gibt es elektronische Anzeigen vor Ort, die die Mitarbeiter im Lager zeitnah informieren.

Selbst bei 40 Grad Celsius Außentemperatur gewährleisten unsere Kühlboxen einen sicheren Transport bis zu 24 Stunden.

Robert Krause, GEHE-Niederlassungsleiter in Stuttgart

Auch das Einfrieren und Auftauen der Kühlpackungen ist eine Wissenschaft für sich. Hier gibt es genaue Vorschriften, die definieren, wie lange und bei welcher Temperatur die Elemente gekühlt werden und wie lange sie vor ihrer Verwendung wieder aufgetaut werden müssen.  All dies musste für die Boxen in umfangreichen und vom TÜV bestätigten Tests belegt werden.

Die Kühlboxen können nun zusammen mit der weniger temperaturempfindlichen Ware transportiert und ausgeliefert werden. Wichtig ist jetzt, dass der Apotheker vor Ort die Kühlware als solche auch sofort erkennen kann. Bei GEHE kann da nichts schief gehen. Hier haben die typischen blauen GEHE-Boxen einen roten Standarddeckel mit der Aufschrift „Kühlpflichtige Arzneimittel“. Da selbst bei einer Außentemperatur von 40 Grad Celsius die Arzneimittel in dieser Kühlbox zehn Stunden lang sicher gekühlt bleiben, steht im Normalfall auch einer Nachtauslieferung nichts im Wege. Nachtauslieferungen sind oftmals die umfangreichsten Bestellungen des Tages, ermöglichen sie doch dem Apotheker, seine Vorräte am frühen Morgen aufzufüllen, wenn noch nicht so viele Patienten in der Apotheke sind.

Das kühlpflichtige Medikament hat nun unversehrt seinen Bestimmungsort erreicht. Und die GEHE hat einmal mehr zu einer sicheren Medikamentenversorgung in Deutschland beigetragen.

Zahlen und Fakten rund um die Kühlkette:

  • 70.000 verschiedene Arzneimittel haben die GEHE Niederlassungen 2014 ausgeliefert.
  • Davon waren ca. 3.000 Kühlwaren.
  • Unter Kühlware versteht man Produkte, die zwischen 2 und 8 Grad Celsius gelagert und transportiert  werden müssen.
  • Das entspricht 2,7 % aller ausgelieferten Packungen.
  • Kühlprodukte stellen jedoch  23 % des Warenwertes dar, sie sind also durchschnittlich elfmal so teuer wie die anderen Arzneimittel.
  • Diese Temperaturbandbreite muss auch beim Versand eingehalten werden.
  • Kühlpflichtig sind insbesondere biologische und gentechnisch hergestellte High-Tech Arzneimittel wie beispielsweise Impfstoffe, Blutprodukte, Insuline, Krebs- und Immuntherapeutika.
  • Herzstück der nach DIN ISO 9001 zertifizierten Kühlkettenlogistik bei der GEHE  ist die Thermobox.
  • Selbst bei einer Außentemperatur von 40 Grad Celsius bleiben  Arzneimittel in dieser Kühlbox zehn Stunden lang sicher gekühlt.
  • Damit auch Apotheker sofort erkennen, dass es sich um kühlpflichtige Arzneimittel handelt, haben die typischen cyanblauen GEHE-Kühlboxen einen roten Standarddeckel mit der Aufschrift „Kühlpflichtige Arzneimittel“.